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Friedrich der Schöne, 1322 September 28, bei Mühldorf: Entscheidungsschlacht zwischen Friedrich und Lud...

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Herrscher: Friedrich der Schöne

Datum: 1322 September 28

Ort: bei Mühldorf

Nummer: 1223

Regestentext: Entscheidungsschlacht zwischen Friedrich und Ludwig auf der Gickelvehwiese bei Erharting . Friedrich verliert nach anfänglichen Erfolgen die Schlacht und erleidet durch das Eingreifen des Burggrafen von Nürnberg eine vernichtende Niederlage. Sowohl er wie sein Bruder Heinrich und eine große Anzahl Österreichischer und steirischer Landherren geraten in die Gefangenschaft des Feindes. Kg. Friedrich wird noch am selben Abend in die Burg Dornberg gebracht. - Die erzählenden Quellen für die Schlacht sind nunmehr in mustergültiger Weise zusammengestellt und genauestens untersucht, teilweise auch abgedruckt, von Erben i. Arch. f. ö. G. 105, 231 ff. Von ihm ist jetzt auch eine tiefgreifende Untersuchung über die Schlacht selbst erschienen: Die Schlacht bei Mühldorf 28. Sept. 1322 i. d. Veröffentl. d. histor. Seminars der Universität Graz. Von den bei Erben behandelten mehr als 50 Quellen seien hier angeführt: Asbacher Annalen (Annal. Matts.) MG. SS. 9, 828. Cont. can. S. Rudb. Salisb. ebda. 822 f. Königsaaler Chronik i. Font. rer. Austr. I/8, 418 ff. Erzählg. ü. d. Streit bei Mühldorf bei Erben a. a. O. 476 ff. (beide Fassungen). Fürstenfelder Chronik i. Böhmer, Font. rer. German. 1, 59 ff. 2. bair. Fortsetzg. d. sächs. Weltchronik MG. Dt. Chron. 2, 337. Chronicon de ducibus Bav. i. Böhmer Fontes 1, 137 ff. Cont. Zwettl. tertia MG. SS. IX, 666. Johannes v. Viktring ed. Schneider 2, 81 ff. u. 116 ff. Giov. Villani i. Muratori SS. 13, 524. - Über die strategische Situation, besonders im Hinblick auf das aus Schwaben heranrückende Heer unter Hzg. Leopold, und die Schlacht sind zu vgl. H. Pfannenschmid i. Forsch. z. d. G. 3, 41 ff. u. 4, 73 ff. Weech ebda. 82 ff. Würdinger i. SB. d. bair. Akad. 2, 462 ff. Riezler Gesch. Bayerns 2, 333 ff. Dobenecker i. Mitt. d. Inst. f. ö. G. 1. Ergbd., 163 ff. Köhler i. Götting. gel. Anz. 1884, 464 ff. u. i. Entwicklg. d. Kriegswesens i. d. Ritterzeit 2, 283. Bachmann i. Forschgen. z. Gesch. Bayerns 14, 245 ff. Erben Schlacht bei M., der auch die anläßlich der 600. Wiederkehr des Schlachttages i. J. 1922 erschienene Literatur verzeichnet. - Die kontroverse Frage über die Lage des Schlachtfeldes scheint mir durch Erben gelöst zu sein, der das Schlachtfeld gleich Dobenecker nordöstlich von Mühldorf sucht, jedoch nicht auf den Äckern zwischen Erharting und Aresing auf der einen, Mühldorf und Töging auf der anderen Seite, sondern auf den unteren Erhartinger Wiesen am Südufer des Isenbaches, von dem Erben gestützt auf das Vorhandensein eines alten Flußbettes annimmt, daß er seinerzeit etwas weiter nördlich als heute floß. Auf dem Nordufer der Isen lagerte das bairische Heer mit der Burg Dornberg als Stützpunkt und überschritt am Morgen des 28. Sept. die Isen. Der Verlauf der Schlacht kann auf Grund der mehr oder weniger ungenauen Nachrichten der Quellen in den Einzelheiten nicht sicher geschildert werden, immerhin stellt soviel fest, daß das Heer Ludwigs am frühen Morgen die Isen überschritt und die Österreicher angriff, nachdem die Schlacht nach der Sitte der Zeit am Vorabend vereinbart worden war. Es scheint, daß Kg. Johann von Böhmen zuerst mit dem linken österreichischen Flügel ins Gefecht kam. Das österr. Heer zerfiel in 4 Abteilungen: die erste geführt von den Brüdern von Walsee unter dem steirischen Banner, die zweite unter Friedrich mit dem Reichsbanner, die dritte unter Hzg. Heinrich mit Österreichs Banner und die vierte unter dem salzburgischen Banner (der Erzbischof selbst nahm indessen persönlich am Kampfe nicht teil), die Ungarn und Kumanen scheinen abgesondert am rechten Flügel unter Anlehnung an eine Bodenerhebung aufgestellt gewesen zu sein. Die erste Phase des Kampfes endet mit einem Österreich. Erfolg, das feindliche Heer wird nach wechselvollem Kampf zurückgeworfen, mehr als 500 Ritter werden gefangen genommen. Kg. Johann selbst soll nur durch Verrat eines Österreich. Edlen der Gefangennahme entronnen sein. Kg. Friedrich selbst kämpfte im dichtesten Schlachtgewühl mit größter Tapferkeit; um die Mittagszeit schien der Sieg Friedrichs gesichert, da brachte der hartnäckige Widerstand des bairischen Fußvolkes, besonders das Kontingent des Hzgs. Heinrich von Niederbaiern die Schlacht nicht nur zunächst zum Stehen, sondern, ähnlich wie bei Morgarten, bedrängte alsbald das Fußvolk, das nun auch von den von den Pferden abgesessenen Rittern unterstützt wurde, die Österreicher immer mehr. In dieser Krise der Schlacht brachte das Eingreifen des Burggrafen Friedrich von Nürnberg die Entscheidung. Er hatte mit einer starken Abteilung wohl in ziemlicher Entfernung vom Schlachtfelde die Isen überschritten und griff nun den rechten Flügel der Österreicher, die ihn anfänglich für Hzg. Leopold hielten, vom Westen her in Flanke und Rücken überraschend an. Nun vollendete sich das Geschick des österreichischen Heeres, das durch den Burggrafen teilweise seiner Rückzugslinie beraubt wurde und nahezu vernichtet wurde. Über die Einzelheiten der Gefangennahme Friedrichs vgl. Dobenecker a. a. O. 194.